über die sandpapierarbeiten im allgemeinen

Aufgewachsen in einem Haushalt, der von hochstilisierten, klassischen S/W-Fotografien durchdrungen war und in dem die Fotografie einen beinahe heiligen Status hatte, wurde ich von diesem Medium von klein auf geprägt.
Ich begann darum nicht erst während meines Studiums der essayistischen Fotografie an der fas.Akademie in Berlin den Umgang mit dieser Materie auf sämtlichen Ebenen zu hinterfragen.

Das schier grenzenlose Faible für Perfektion innerhalb der Fotografie-Szene, welches sich mit der Digitalisierung des Bildes noch verschärft hat, empfand ich schon früh nicht nur als fragwürdig ob seiner Selbstverständlichkeit, sondern auch als wenig kreativ bis hin zu kontraprodukiv.
Mit den vorgeblichen Regeln in Hinblick auf die kostenintensive Verarbeitung und zumeist kommerzielle und wenig inhaltsbezogene Präsentation gab ich mich nicht zufrieden.

2010 begann ich, auf Sandpapier zu drucken – mir gefiel die Tatsache, dass sich eine Fotografie nicht einfach darauf drucken ließ: Ich musste zunächst ein eigenes Verfahren entwickeln um ein entsprechendes Resultat zu erzielen, wobei meine Technik bis heute Raum für materialbedingte Zufälligkeiten lässt.

Der Brutalität des Verfahrens steht die glamouröse Ästhetik des, bei Lichteinfall glitzernden Materials gegenüber. Diese Dualität schlägt eine Brücke zu meiner inhaltlichen Beschäftigung mit dem gnadenlosen und oft verzerrten Selbstbildnis des Individuums innerhalb der Gesellschaft, als auch die Infragestellung des „perfekten Bildes“.